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Grundlinien einer essentialen Wissenschaftstheorie Die Erkenntnistheorie Rudolf Steiners im Spannungsfeld moderner Wissenschaftsthorie. Helmut Kiene Stuttgart: Urachhaus; 1984, 239 S. ISBN 3-87838-950-7 Vorwort Zwei Bücher haben in diesem Jahrhundert maßgeblich
beigetragen, das Vertrauen in die Rationalität der Philosophie und Wissenschaft
zu erschüttern. Mit dem »Tractatus Logico-philosophicus« zerbrach
Ludwig Wittgenstein die Tradition abendländischer Philosophie und schuf Raum
für den darauffolgenden Siegeszug der modernen Wissenschaftstheorie. Im Umkreis
der Wissenschaftstheorie geschah aber bald der zweite Zusammenbruch. Mit der Untersuchung
über die »Struktur wissenschaftlicher Revolutionen« schreckte
Thomas S. Kuhn die interessierte Öffentlichkeit wach, indem er zeigte, daß
der historische Werdegang der Wissenschaft durch irrationale Einschläge gekennzeichnet
ist. Nicht nur die Rationalität sondern auch die propagandistische Kraft
der Wissenschaftler steuert den Entwicklungsprozeß des menschlichen Wissens.Es ist paradox: Während für den Griff der Technologie kein Horizont mehr unerreichbar scheint, schwindet zugleich der Glaube an die Ratio der Wissenschaft. Wissenschaftstheoretiker wie Paul Feyerabend neigen schließlich dazu, sich zu einem Kampf gegen die Verwissenschaftlichung des Lebens zu erheben und nach neuen Weltbildern irgendwo jenseits der Sphäre der Wissenschaftlichkeit zu suchen, nach einem, wie Feyerabend sagt, »theoretisch umfassenden und emotional befriedigenden Standpunkt, nach einem neuen Mythos«. In dem vorliegenden Buch wird eine andere Sichtweise dargestellt. Nicht das Mythische, sondern die Steigerung des Logischen, nicht das Aufgeben der Rationalität, sondern das Überwinden der Rationalität in ihrer bisher gängigen Form, nicht das Zurückbleiben hinter der Wissenschaft, sondern das Vordringen in eine von Unwissenschaftlichkeit bereinigte Gestalt der Wissenschaft ist die Möglichkeit zum Aufgang innerhalb des Niedergangs. Es können Schritte zu einer essentialen Wissenschaft, zu einer Wissenschaft der Wesenserkenntnis getan werden. Die hier behandelte Thematik hat dingfeste Beziehungen zu Problemen der Alltagsrealität. Seit einem Jahrzehnt brennt ein Streit um das wissenschaftliche Selbstverständnis in der Medizin, der letztlich ohne wissenschaftstheoretische Abklärungen unlösbar sein wird. In diesem Streit war der herausragende Kritiker der obligaten statistischen Arzneimittelprüfungen – und zwar gegen beinahe die gesamte Welt der orthodoxen Medizin – der im vergangenen Jahr verstorbene Gründungspräsident der Universität Witten/Herdecke: Gerhard Kienle. Aus Hochachtung vor seinem Lebenseinsatz für die Freiheit und Wahrheitsgüte der Medizin und Wissenschaft wurden der Ansatz und der Endpunkt dieses Buches in die aktuellen Zeitgeschehnisse der Medizin hineinverlegt. Helmut Kiene 1984
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