|
Die Erneuerung des wissenschaftlichen Denkens im 21. Jahrhundert H. Kiene: Buch, zur Publikation in Vorbereitung Kann das wissenschaftliche Denken erneuert werden? (Einführungskapitel des Buches) Kann das wissenschaftliche Denken erneuert werden? –
Die Antwort des Buches ist ein eindeutiges Ja. Das Buch führt konkret
ein in die Erneuerung des wissenschaftlichen Denkens. Es präsentiert
die Methodik der Erneuerung und deren inhaltliche Konsequenzen und es durchdringt
dabei die Grundlagen verschiedenster wissenschaftlicher Disziplinen. Dennoch
ist das Buch nicht schwierig zu lesen, was daran liegt, daß wissenschaftliche
Grundsatzfragen letztlich einfach sind.
In welche Richtung zielt die Erneuerung? – Um dies zu sehen, vergegenwärtige man sich die große Reform der Wissenschaft zu Beginn der wissenschaftlichen Neuzeit. Damals war es in erster Linie ein methodischer Umbruch. Es wurde die anschauende Naturforschung Platons und Aristoteles' zurückgewiesen, und es wurde eine experimentelle Wissenschaft gefordert. Das maßgeblich Neue war die Methode des Experiments: Es sollte nicht mehr nur beobachtet, sondern das Zustandekommen der Beobachtungen vom Wissenschaftler selbst erzeugt werden. Im Experiment stellt der Wissenschaftler aktiv und zielgerichtet die Bedingungen für das Auftreten des beobachtbaren Phänomens her. Dadurch kann er den Zusammenhang von Bedingung und Beobachtung sicherer erfassen als bei bloß anschauendem (antikem und mittelalterlichem) Beobachten. Kontrolliertes Beobachten ist es, was den Kern der experimentellen Methode ausmacht. Die Methode des Experiments betrifft jedoch nur die Hälfte des wissenschaftlichen Erkenntnisprozesses, nur das Beobachten, nicht aber das Denken. Deshalb bleibt eine Schwachstelle: Auch bei kontrolliertem Beobachten muß weiterhin jeder erfaßte Zusammenhang gedanklich gedeutet werden; für das gedankliche Deuten aber gibt es bislang keine kontrollierende Methode. Was und wie man denkt, ist in der heutigen Wissenschaft in weitem Rahmen traditionell bedingt oder beliebig. Was fehlt, ist eine Methode der kontrollierten Begriffsbildung. Hier setzt das vorliegende Buch an. Die nachfolgenden Seiten entwickeln diese Methode der kontrollierten Begriffsbildung und beschreiben ihren Einsatz. Es ist eine Methode, die das Denken selbst betrifft. Sie führt zu einer tiefgreifenden Neufassung der Wissenschaft: Kontrollierte Begriffsbildung erstreckt sich auf alle Wissenschaftsbereiche, verändert deren Grundlagen und modifiziert deren Inhalte, als erstes natürlich in der Erkenntnistheorie selbst, im weiteren aber auch in Logik, Arithmetik, Geometrie, Kinematik, Physik, Biologie und Anthropologie (um die wichtigsten Bereiche zu nennen). Die Basis dieser Erneuerung – und dies gilt für Logik und Arithmetik genauso wie für Physik, Biologie und Anthropologie – liegt in der radikalen Rückführung aller Begriffsbildung auf die Stellung des individuellen Menschen in der ihn umgebenden physischen Wirklichkeit. Gemeint ist damit jene alltägliche Wirklichkeit, in der wir mit unseren Armen und Beinen, mit unseren Augen und Ohren und mit unserem Denkvermögen existieren und leben. In der realen Beziehung zu dieser Wirklichkeit – in der Beziehung zwischen dem Wissenschaftler (dem Subjekt) und der untersuchten Sache (dem Objekt) – findet sich das Fundament wissenschaftlicher Begriffsbildung. Wird der Bogen des wissenschaftlichen Erkennens bewußt bis zu diesem Anfang – bis zu diesen Subjekt-Objekt-Beziehungen – zurückgespannt, so erhält das wissenschaftliche Denken eine größere Kraft und Reichweite, und es öffnen sich drei neue Perspektiven (die alle aus Sicht der konventionellen Wissenschaft als etwas Unmögliches erscheinen): Erstens findet sich für die Mathematik eine tiefere Begründung als in bloßen sogenannten Axiomen. Zweitens erschließt sich für die Physik ein Zugang zu jener einst als platonische Ideenwelt bezeichneten spirituellen Ebene, was die Möglichkeit bietet, hieraus die Gesetze der Physik logisch herzuleiten. Drittens kann man für Biologie und Anthropologie die Ordnung der spezifischen Kräfte der Gestaltbildung entdecken. Bei dieser Erneuerung der Wissenschaft verschwinden die herkömmlichen Gegensätze von Logik und Empirie beziehungsweise von Mathematik und Naturwissenschaft; stattdessen werden umfassende neue Beziehungen und Ordnungen sichtbar: Jenseits der relativistischen, probabilistischen und agnostizistischen Naturwissenschaft (wie sie im 20. Jahrhundert durch Relativitätstheorie, Quantenmechanik und Chaostheorie entstand), bekommt man eine Wissenschaft, die klassischer ist als die klassische Physik und die zudem durch das Aufdecken jener übergreifenden Ordnungen den Charakter einer spirituellen Wissenschaft erhält. Die Einzelheiten werden in den nachfolgenden Kapiteln ausgeführt. Es ist zu erwarten, daß die hier vorgestellten Methoden und Inhalte einen empfänglichen Resonanzboden finden werden. Anders als zu Beginn der Neuzeit ist heute die Entwicklung einer materiellen Technologie weit fortgeschritten und längst zu einer Selbstverständlichkeit geworden. Die Zukunftsfrage des abendländischen Denkens ist nicht mehr dessen Materialisierung, sondern dessen Spiritualisierung: ob und wie ein Brückenschlag gelingen könnte zwischen rationaler Wissenschaft und den spirituellen Bestrebungen der Menschen. Ein großer diesbezüglicher Wurf war Rudolf Steiners Darlegung der anthroposophischen Geisteswissenschaft zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Ein komplementärer Versuch könnte die Erneuerung des wissenschaftlichen Denkens sein, für die hier der Anfang gemacht ist. Für den Autor steht außer Zweifel, daß der hier präsentierte Ansatz im 21. Jahrhundert vielfältige Fortführungen erfahren wird. Das Buch beginnt mit einem geschichtlichen Aufriß des abendländischen Denkens. Auf diese Weise erhält die Erneuerung der Wissenschaft eine doppelte Verankerung – nicht nur in der individuell zu vergegenwärtigenden Erkenntnisbeziehung zwischen dem einzelnen Menschen und der physischen Wirklichkeit, sondern auch in dem allgemeinen historischen Zug des Gedankenlebens im Abendland.
Zur Einführung: Kann das wissenschaftliche Denken erneuert werden? Platon und Aristoteles – welthistorische Existenz und Genie ohnegleichen Die Erneuerung des wissenschaftlichen Denkens Die neue Methode der Wissenschaft – kontrollierte Begriffsbildung TEIL II: DIE PRAXIS DER ERNEUERUNG Der Fehler bei der modernen Begründung der Logik (Gottlob Frege) Neue Grundlagen der Arithmetik Der Fehler bei der formalistischen Begründung der Arithmetik (David Hilbert, Peano, u. a.) Neue Grundlagen der Geometrie Die Fehler bei der Begründung der modernen Geometrie (Bolyai, Lobatschewski, Klein) Neue Grundlagen der Kinematik Die Fehler bei der Begründung der Relativitätstheorie (Albert Einstein) Neue Grundlagen der Physik Der Fehler bei der Begründung der neuzeitlichen Physik (Isaak Newton) Neue Grundlagen der Biologie und Anthropologie Die Fehler bei der Begründung der modernen Biologie und Anthropologie (Darwin, Watson, Crick) AUSBLICK UND ERNEUERTE PERSPEKTIVEN FÜR DIE MEDIZIN Das Verhältnis der erneuerten Wissenschaft zur Anthroposophie |