Mistel in der Onkologie

G.S. Kienle, H. Kiene. Die Mistel in der Onkologie – Fakten und konzeptionelle Grundlagen. Stuttgart, New York: Schattauer Verlag; 2003, 749 S. e-book

Mistel in der Onkologie Mistelextrakte gelten im deutschsprachigen Mitteleuropa als biologische onkologische Standardtherapien, sie erfreuen sich großer Beliebtheit und gehören zu den am meisten verkauften Krebsmedikamenten. Andererseits sind sie heftig umstritten, insbesondere wegen der bisher unklaren wissenschaftlichen Datenlage und des bisher für viele unverständlichen ganzheitlichen Konzepts der dahinterstehenden anthroposophischen Medizin.
Die Misteltherapie der Krebserkrankung betrifft eine Krankheit, die Menschen in ihrer Existenz, ihrem Leben, ihrem seelischen Gleichgewicht, ihrem sozialen Selbstverständnis und in ihrer körperlichen Funktionalität vehement bedroht. Nur wenige Erkrankungen haben gesellschaftlich und für das Individuum eine vergleichbar fundamentale Bedeutung; kaum jemand hat nicht schon wegen dieser Erkrankung enge Verwandte, Freunde, Bekannte durch eine Leidenszeit begleitet oder sogar einen Verlust zu betrauern. Forschung zu Krebstherapien – die heilen oder Leiden lindern – ist daher von eminentem Interesse. Da in Mitteleuropa die Misteltherapie weithin bekannt ist und angewendet wird, ist evident, daß auch die Forschung zur Misteltherapie und die sukzessive Verbesserung der Mistelbehandlung von allgemeiner Wichtigkeit sind.
Die Mistelbehandlung geht auf Rudolf Steiner und Ita Wegman zurück und ist wesentlicher Bestandteil der anthroposophischen Medizin. In deutschsprachigen Ländern werden bis zu zwei Drittel der Krebspatienten mit unkonventionellen Therapieverfahren behandelt, zumeist mit Mistelpräparaten. Wegen ihrer großen Popularität in der Bevölkerung erfährt die Misteltherapie auch in der medizinischen Presse immer wieder Aufmerksamkeit, nicht selten in Leitartikeln. Klinische Studien zur Mistelbehandlung werden oft weithin beachtet, und Bekundungen von eventuellen Nebenwirkungen, selbst wenn sie auf keinen oder auf unpublizierten Studien beruhen, sind stets über Jahre hinaus Anlaß für zahlreiche Artikel in medizinischen Journalen und in der Laienpresse. Dies weist auf Aktualität und Bedeutung, die der Misteltherapie in Mitteleuropa, vor allem in den deutschsprachigen Ländern, faktisch zukommt.
Die Ergebnisse wissenschaftlicher Untersuchungen wurden erstmalig komplett zusammengestellt, erläutert und kritisch diskutiert – sämtliche Untersuchungen zu antitumoraler Wirkung in Zellkultur und Tierexperiment, Immunmodulation, weiteren wichtigen onkologischen Eigenschaften (z. B. DNA-Schutz), Inhaltsstoffen, Dosierung, klinischer Wirksamkeit und Therapiesicherheit. Ein aktuelles systematisches Review zu kontrollierten klinsichen Studien wurde durchgeführt. Notwendige künftige Forschungsperspektiven werden aufgezeigt. Viele Bereiche wurden ergänzt durch eine gut verständliche vorangestellte Gebietsübersicht.

Die Misteltherapie

Als prominenter Exponent der komplementärmedizinischen Richtungen steht die Misteltherapie im Schnittpunkt aktueller Grundsatzthemen der modernen Medizin: reduktionistische vs. holistische Konzepte der Krebsentstehung, partikularistische vs. systemische Tumorimmunologie, genetischer Determinismus vs. Organismusbegriff, klinische Erfahrung vs. klinische Forschung, Evidence-based Medicine vs. Cognition-based Medicine, standardisierte vs. individualisierte Therapie, isolierter Inhaltsstoff vs. Gesamtextrakt. Hier kann gewohnter Konsens nicht als sicheres Wissen vorausgesetzt werden, sondern ist kritischer Reflexion zu unterziehen. Die eingehende Betrachtung der entsprechenden Frontforschung untermauert die weltweite Sicht der wissenschaftlichen Avantgarde, daß systemische Forschungskonzepte zu entwickeln sind, die über den reduktionistischen Denkstil des vergangenen Jahrhunderts hinausgehen und neue Verständnisebenen eröffnen. Der konzeptionelle und methodische Ansatz der anthroposophischen Medizin wird explizit mit einbezogen.

Buchbesprechung (PDF) im Deutschen Ärzteblatt, 2004, 101, Heft 24 von Andreas Dehne
Buchbesprechungen (PDF) im Merkurstab, 2003, 56, Heft 6, von Markus Sommer und von Marcus Roggatz
Buchbesprechung (PDF) in Chirurgische Gastroenterologie, 2004; 20:230-232 von A. Dehne
Buchbesprechung in Die Drei, 2005, Heft 4, 84-86 von  Lore Deggeler


Webseite zum Thema
Eine ausführliche wissenschaftliche Information zur Mistel in der Onkologie wurde von uns erstellt
unter mistel-therapie.de


Publikationen zum Thema
  1. Kienle GS, Grugel R, Kiene H. Safety of higher dosages of Viscum album L. in animals and humans - systematic review of immune changes and safety parameters. BMC Complementary and Alternative Medicine 2011; 11(1):72, doi:10.1186/1472-6882-11-72 Abstract (PubMed)  HTML  Volltext (PDF)
  2. Kienle GS, Kiene H: Influence of Viscum album L (European Mistletoe) extracts on quality of life in cancer patients: a systematic review of controlled clinical studies. Integr Cancer Ther 2010;9(2):142-57. Volltext (PDF)
  3. Kienle GS, Glockmann A, Schink M, Kiene H. Viscum album L. extracts in breast and gynaecological cancers: a systematic review of clinical and preclinical research. Journal of Experimental and Clinical Cancer Research 2009;28:79, DOI:10.1186/1756-9966-28-79 Abstract (PubMed) HTML Volltext (PDF)
  4. Kienle GK, Kiene H: Complementary cancer therapy: a systematic review of prospective clinical trials on anthroposophic mitstletoe extract. Eur J Med Res 2007, 12:103-19.  Volltext (PDF)
  5. Kienle GS, Kiene H: Klinische Studien zur Misteltherapie onkologischer Erkrankungen. Deutsche Zeitschrift für Onkologie 2004; 36: 17-24.
  6. Kienle GS, Kiene H: Klinische Studiens zur Misteltherapie der Krebserkrankung. EHK 2004; 53: 193-209.
  7. Kienle GS, Kiene H. Klinische Studien zur Misteltherapie der Krebserkrankung - Eine Übersicht. In: Fintelmann V. (Hrsg). Loseblattwerk Onkologie auf anthroposophischer Grundlage. Stuttgart: Verlag Johannes M. Mayer; 2003. S. 1-27.
  8. Kienle GS, Berrino F, Büssing A, Portalupi E, Rosenzweig S, Kiene H. Mistletoe in cancer - a systematic review on controlled clinical trials. European Journal of Medical Research 2003;8:109-119.
  9. Kienle GS. The story behind mistletoe: A European remedy from anthroposophical medicine. Alternative Therapies 1999; 5(6):34-36.
  10. Kienle GS, Kiene H. Sanfte Naturarznei oder Medizin mit Nebenwirkungen? Münchener Medizinische Wochenschrift 1998; 42 (140):12.
  11. Kienle GS, Kiene H. Die Mistel in der Onkologie - antitumorale Wirksamkeit, Fragen des Wirsamkeitsnachweises und die Hypothese einer zytokinvermittelten Tumorförderung. Der Merkurstab 1997;50(5):303-304.
  12. Kienle GS, Kiene H. Die Mistel in der Onkologie - Antitumorale Wirksamkeit, Fragen des Wirksamkeitsnachweises und die Hypothese einer zytokinvermittelten Tumorförderung. 647 references. Freiburg: Monographie des Instituts für Angewandte Erkenntnistheorie und Medizinische Methodologie; 1997. 100 S.
  13. Kienle GS. Kann die Mistel anhand von Zytokinwirkungen interpretiert werden? Erfahrungsheilkunde 1997; Suppl August: 494-500.
  14. Kiene H. Beurteilung klinischer Studien zur Misteltherapie. In: Scheer R, Becker H, Berg PA (Hrsg). Misteltherapie – Stand der Forschung. Stuttgart: Hippokrates Verlag; 1996. S. 484-496.
  15. Kiene H. Klinische Studien zur Misteltherapie karzinomatöser Erkrankungen – Eine Übersicht. Erfahrungsheilkunde 1991;3a:222-227.
  16. Kiene H. Klinische Studien zur Misteltherapie der Krebserkrankung. Eine kritische Würdigung. Dissertation. Witten: Universität Witten/Herdecke 1989, 231 S.
  17. Kiene H. Klinische Studien zur Misteltherapie karzinomatöser Erkrankungen. Eine Übersicht. Therapeutikon 1989;3 (6):347-353.